Der Ablauf einer kirchlichen Trauung

Der Ablauf einer Trauung

Glocken

Wie vor jedem Gottesdienst laden auch vor der kirchlichen Trauung die Glocken zur Kirche ein. Und wie jeder Gottesdienst, so ist auch die Trauung öffentlich: Sie können niemandem verbieten, an dem Traugottesdienst teilzunehmen.

Ankunft des Brautpaares

Wenn Sie als Brautpaar gemeinsam in die Kirche einziehen, kommen Sie rechtzeitig (ca. eine Viertelstunde) vor Beginn des Gottesdienstes. Wie „pünktlich“ Sie kommen, entscheiden Sie selbst – manche möchten vorher die Gäste begrüßen und mit jede*r noch ein bisschen plaudern, manche möchten für sich sein und kommen lieber so knapp wie möglich oder halten sich abseits der Kirche auf. Maßgeblich für die Entscheidung ist wahrscheinlich Ihre Aufregung.

Begrüßung an der Kirchentür

Als Pfarrer erwarte ich Sie an der Kirchentür, begrüße Sie und nehme die Ringe von Ihnen in Empfang, die ich auf den Ringteller lege – oder Sie bringen sie auf einem Ringkissen mit.

Einzug

Wenn die Orgel spielt, ziehen wir in die Kirche ein: Ich gehe vorweg, Sie folgen mir.
Die Hochzeitsgemeinde steht zum Einzug auf.
Ich bringe Sie bis zu den Hochzeitsstühlen, die vor dem Altar stehen. Sie nehmen auf den Stühlen Platz – mit dem Rücken zur Gemeinde. Ich bin auch da oben und passe gut auf Sie auf.

Aus englischen und amerikanischen Spielfilmen ist die Mode aufgekommen, dass die Braut von ihrem Vater zum Altar geführt wird. Kann man machen. Sie sollten aber bedenken, dass hinter dieser Geste die Vorstellung steht, dass die Braut aus dem Besitz des Vaters in den Besitz des Ehemannes übergeht. Ich finde, das ist eine mehr als überholte Vorstellung, deshalb sollte man auf diese Geste verzichten. Außerdem ist es ja nicht so, dass Ihre Beziehung in der Kirche geschlossen wird: Sie sind schon lange Zeit ein Paar; diese Tatsache wurde mit der standesamtlichen Hochzeit „amtlich“ und wird mit der kirchlichen öffentlich. Deshalb sollten Sie auch als Paar in die Kirche kommen.
Hier liegt auch der wichtige Unterschied zwischen katholischem und evangelischem Trauverständnis (die Trauung selbst ist fast genau gleich): Nach evangelischem Verständnis kommen Sie als Paar in die Kirche. Deshalb werden Sie von mir nicht „getraut“, sondern „nur“ gesegnet. Die Bitte um Gottes Segen ist das Eingeständnis, dass es nicht in unserer Kraft steht, ein Versprechen abzugeben, das ein Leben lang halten soll – und es ist die Bitte um Gottes Begleitung auf Ihrem gemeinsamen Weg.
Nach katholischem Verständnis zählt nicht, was Sie zu einem Paar gemacht hat, weder Ihr gegenseitiges Eingeständnis: „Ich liebe dich“, noch die standesamtliche Trauung. Die Ehe wird in der Kirche geschlossen und ist ein Sakrament, ein Zeichen, das über Sie selbst hinausgeht. Im Gegensatz zu den anderen Sakramenten wird dieses nicht vom Priester gespendet, sondern Sie spenden es sich gegenseitig. Weil die Ehe nach katholischem Verständnis ein Sakrament ist, das Sie sich gegenseitig spenden, ist sie auch unauflöslich: Sie haben gemeinsam etwas geschaffen, das man nicht mehr ungeschehen machen oder aus der Welt schaffen kann.
An dieser Stelle ein Wort zur ökumenischen Trauung: Es gibt sie nicht. Natürlich gibt es kirchliche Trauungen von Paaren unterschiedlicher Konfession, aber aufgrund der grundsätzlich verschiedenen Auffassung davon, was bei der Trauung geschieht, müssen Sie sich vorher entscheiden, welches Eheverständnis für Sie maßgeblich ist: Wenn es das katholische ist, feiern Sie die kirchliche Trauung in der katholischen Kirche unter Beteiligung einer evangelischen Pfarrerin; ist es das evangelische, ist es umgekehrt. Eine echte ökumenische Form als dritter Weg zwischen diesen beiden gibt es (noch?) nicht.

Begrüßung

Zur Begrüßung in der Kirche gehört, dass wir das, was wir jetzt tun, im Namen Gottes tun: „Wir feiern den Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Dazu gehört auch, dass wir benennen, was Sie jetzt tun (wollen): Für Ihre Beziehung und Ihren gemeinsamen Lebensweg Gottes Segen erbitten.

Lied

Ein Lied (das Sie aus dem Gesangbuch aussuchen können). Es sollte die Stimmung aufgreifen, in der Sie sind, also: von Freude, Glücklichsein, Dankbarkeit oder vom Anfangen erzählen.

Manche Brautpaare sagen: Wir kennen keine Lieder, und unsere Gäste singen nicht. Dann kann man statt des Liedes auch eine Musik spielen. Ich persönlich finde es wichtig, zu singen. Denn auf diese Weise bringt man zum Ausdruck, wie man sich gerade fühlt, kann also seinen Gefühlen ein wenig „Luft“ machen. Gerade, weil es nicht die eigenen, sondern die Worte eine*r Dichter*in sind, die einem helfen zu sagen, was man nicht in Worte fassen kann. Man kann so auch seine Gefühle besser zeigen, denn kaum jemand würde vor anderen gestehen, wie ihr gerade zumute ist. Hinter den Worten der Dichter*in kann man sich sozusagen verstecken. Und schließlich: Wenn alle singen, fällt es gar nicht auf, dass ich vielleicht ein Tränchen verdrücke oder einen Kloß im Hals habe.

(Psalmgebet)

Den selben Zweck erfüllt ein Psalm, den man im Wechsel zwischen den Bankreihen oder zwischen Frauen und Männern sprechen kann.

Gebet für das Brautpaar

Sie sind heute die Hauptpersonen. Deshalb denken wir jetzt an Sie und an das, was Sie gleich einander versprechen wollen.

Ansprache zum Trauspruch

Grundlage für die Ansprache ist ein Satz der Bibel, den Sie sich sozusagen als Motto dieses Gottesdienstes – und vielleicht auch als Motto für Ihren gemeinsamen Lebensweg oder als ein Symbol Ihrer Beziehung – ausgewählt haben.
Es muss ein Bibelwort sein (und nicht z.B. das Wort einer Philosophin oder eine Zeile Ihres Lieblingsliedes), denn es geht darum, was Gott Ihnen zu Ihrer Beziehung sagt.
Dazu setze ich diesen Satz der Bibel in Beziehung zu dem, was Sie mir im Traugespräch von sich erzählt haben – wie Sie sich kennenlernten, was Sie aneinander schätzen, was Ihre Partnerin für Sie bedeutet, welche gemeinsamen Ziele Sie haben.

Ich werde Sie mit meiner Predigt nicht belehren, gebe Ihnen auch keine Tipps, wie Ihre Partnerschaft besonders glücklich wird. Vielmehr versuche ich, in dem Bibelvers ein Bild Ihrer Partnerschaft zu entdecken, wie ein Schnappschuss oder eine Momentaufnahme, in dem Sie hoffentlich das wiederfinden, was Ihre Beziehung im Moment für Sie bedeutet.
Niemals werde ich Dinge ansprechen, die Sie mir im Vertrauen erzählt haben oder von denen ich meine, dass sie Ihre Gäste nichts angehen. Wenn ich Persönliches von Ihnen in der Predigt anspreche, dann nur in Andeutungen, die Sie und diejenigen verstehen, die Sie gut kennen.
Ich bilde mir nicht ein, dass Sie meiner Predigt aufmerksam zuhören und erwarte das auch nicht von Ihnen. In dieser halben Stunde des Traugottesdienstes spielen Ihre Gefühle verrückt, Sie sind so glücklich und so wahnsinnig verliebt, dass Sie gar keine Chance haben, zuzuhören – selbst, wenn Sie wollten. Das macht nichts, das muss so sein.

Lied oder Musik

Nach der Ansprache kommt wieder ein Lied (oder Musik), das noch einmal Ihren Trauspruch aufgreift.

Traulesungen

Wir hören Lesungen aus der Bibel zum Zusammenleben in einer Partnerschaft (könnte eine Trauzeugin übernehmen). Gewöhnlich wird ein Abschnitt aus der Schöpfungsgeschichte gelesen (1.Mose 1,26-31): Gott schuf den Menschen als Mann und Frau und segnete sie; ein Jesuswort, dass man nicht trennen (oder auseinanderbringen) soll, was Gott verbunden hat (Matthäus 19,4-6) und ein Epistel-(Brief-)Text über das Zusammenleben in einer Gemeinschaft, z.B. Kolosser 3,12-17.
Bei einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft wird man andere Texte aussuchen.

Traufragen oder Traubekenntnis

Nach den Lesungen bitte ich Sie, nach vorn zum Altar zu kommen. Jetzt wird es ernst: Ich frage Sie. Dazu brauche ich Ihre Namen und Ihre(n) zukünftigen Ehenamen. Ich schreibe jetzt erst mal „N.N.“:

N.N. (geborene*r N.), willst du N., die/den Gott dir anvertraut, als deinen Ehemann/ deine Ehefrau lieben und ehren und die Ehe mit ihr/ihm nach Gottes Gebot und Verheißung führen, bis der Tod euch scheidet, so antworte: Ja, mit Gottes Hilfe.

Ich frage Sie beide einzeln – mit wem soll ich anfangen?
Wie Sie sehen, sage ich Ihnen die Antwort vor; es kann also gar nichts schief gehen.

Statt dass ich Sie frage, können Sie sich auch gegenseitig das Versprechen geben, etwa so:

N., ich nehme dich als meine/n Ehemann/Ehefrau aus Gottes Hand. Ich will dich lieben und ehren, dir vertrauen und dir treu sein. Ich will zusammen mit dir Gott und den Menschen dienen, so lange wir leben. Dazu helfe mir Gott.
(oder ein ähnliches Versprechen; Sie können auch selbst etwas formulieren).
Dieses Versprechen müssen Sie nicht auswendig lernen. Ich halte es Ihnen zum Ablesen hin.

Wichtig bei diesem Versprechen ist der Zusatz „mit Gottes Hilfe“. Es ist kein Zeichen Ihrer Frömmigkeit, sondern Ihres Realismus: Wir wissen, dass wir dieses Versprechen nicht aus eigener Kraft halten können. Es kommt im Leben einfach zu viel dazwischen, als dass man in diesem Moment – bei aller Liebe und allem guten Willen – etwas versprechen könnte, das ein Leben lang gelten soll. In diesem Moment versprechen Sie, dass Sie es ernst meinen, und erklären Ihre Absicht, dass Sie ein Leben lang zusammenbleiben wollen. Ob es tatsächlich so sein wird, weiß allein Gott. Und der verrät nichts – zum Glück!

Ringwechsel

Nach den Traufragen bzw. dem Versprechen geben Sie sich die Ringe (die habe ich vor dem Gottesdienst bekommen, wenn sie nicht jetzt von jemandem gebracht werden).
Gibt es ein Ringkissen, oder nehmen wir einen Ringteller (den wir in der Kirche da haben)?
Bringt jemand die Ringe (z.B. Patenkind)?

Nach dem Ringwechsel bitte ich Sie, sich die rechte Hand zu geben (Sie versprechen sich ja etwas); ich lege meine Hand auf Ihre und sage: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“.

Danach können Sie sich, wenn Sie mögen, einen Kuss geben (bisher mochten alle Brautpaare 😉

Segnung des Brautpaares

Anschließend bitte ich Sie, sich zum Segen hinzuknien. Das Knien ist ein Zeichen der Ehrfurcht oder des Respektes vor Gott, dessen Segen wir nun für Sie erbitten. Wenn das nicht gehen oder Ihnen zu unbequem sein sollte, können Sie auch stehen bleiben. Ich lege Ihnen dann die Hände auf und segne Sie.

Lied oder Musik

Anschließend nehmen Sie wieder Platz, wir singen ein drittes Lied oder hören Musik. Diesmal ist das Thema des Liedes die Dankbarkeit, die Bitte um Segen oder vielleicht die Erleichterung, dass Sie es geschafft haben.

Schlussgebet

Der Gottesdienst endet mit dem Schlussgebet (das gern die Trauzeugen oder Freund/innen übernehmen können), Vaterunser und Segen. Im Schlussgebet weitet sich unser Blick wieder: Bis jetzt haben Sie im Mittelpunkt gestanden, jetzt denken wir auch an die anderen Menschen – die, die mit Ihnen Ihr Glück feiern, und die, die dieses Glück nicht haben oder nie kennen lernen durften.

Segen

Sie erheben sich gemeinsam mit Ihren Hochzeitsgästen zum Segen.

Auszug

Dann spielt wieder die Orgel, und wir ziehen aus der Kirche aus – ich gehe vorweg, Sie folgen mir. Ich bringe Sie bis zur Kirchentür, dann müssen Sie allein weiter …